Sonntag, 24. Januar 2016

Dessous nähen- ein Kurs im SEWY Shop ... was ist eigentlich dran am Dessousnähen? Mein Tageskurs:



Ich hatte ja schon in meinem letzten post von meinem Dessousnähvorhaben berichtet. 

Gestern war mein gebuchter Kurstag „Dessous-Nähen“ in den Räumen von SEWY in Weilerswist.

Gemeinsam mit 3 weiteren ambitionierten Dessoushobbynäherinnen habe ich satte 9 Stunden dort verbracht. Für mich war es das erste Mal, ich war auch echt  gleich sehr beeindruckt von den bereits begonnenen BHs der anderen Damen, die ich da sah.  





Den Schnitt mit und ohne Nahtzugaben hatte ich bereits zuhause auf ganz normalem Zeichenpapier vorbereitet.

Hier kann ich schon mal den Tipp geben, etwas festeres Papier zu nehmen anstelle von Schnittpapier denn fuddelig und flatterig wird der Zuschnitt ohnehin schon von selbst durch die speziellen Stoffe. 


Wer noch nie Dessous genäht hat und jetzt glaubt, dass man mit wahnsinnig vielen kleinen Stoffzuschnitten hantieren muss, dem gebe ich recht:) .  Aber die Schnitteile an sich halten sich zumindest beim Modell ISABELL in Grenzen. Ganze fünf unterschiedliche Teile verbraucht dieser BH, das ist alles. Das dann allerdings gleich mehrfach und aus unterschiedlichen Materialien im Zuschnitt. 



Der erste Näharbeitsgang verlangt das Zusammennähen der drei Cupteile, das hat mich gleich wieder mit den kleinen Stoffschnipseln versöhnt denn das ging ebenso problemlos wie das Absteppen.   

Über den gesamten Nähvorgang muss man eigentlich gar nicht mehr aufstehen:

kein Versäubern, kein Bügeln … auch mal toll.

Es wird mit kleiner Schere immer mal wieder Stoff an den Nahtzugaben stufig zurückgeschnitten und dann abgesteppt, wieder zurückgeschnitten und abermals abgesteppt und es hängen unzählige Fadenenden am Werk, die der Einfachheit halber im Rudel abgeknotet werden. 

Vernähen am Anfang und Ende fällt meist flach dafür ist es hilfreich wenn die Nähmaschine eine Punktierfunktion hat - muss nicht zwingend, macht aber den Ablauf etwas komfortabler. (Soweit ich weiß, hat meine Maschine diesen Stich nicht. Ich habe den Zickzackstich auf 0/0 gestellt und dann war das okay)-

Überhaupt sollte man seine Nähmaschine gut kennen. Im Sewy-Schnitt ist für jeden Stich eine Stichlänge und Stichbreite angegeben die man erstmal probeweise übernehmen sollte und dann gegebenenfalls anpasst. Bei meiner Brother Innovis 100 habe ich zB den Zickzackstich meist minimal grösser als angegeben eingestellt um das Material optimal zu fassen.

Im Vorhinein hatte ich mich mit Microtexnadeln eingedeckt, aber die Kursleiterin hat mir gleich den Tipp gegeben, es bei Fehlstichen mit 75er Stretchnadeln zu versuchen. Über den Nähverlauf ging eigentlich alles gut, aber bei der Verarbeitung vom Gummiband hat es dann gehakt- immer wieder Fehlstiche. Mit der Stretchnadel im Austausch lief dann alles einwandfrei. Das muss dann also auch jeder selbst austesten. 



Die kleinen Stoffzuschnitte werden ohne Ende gesteckt, ich hatte dafür meine Quiltnadeln mitgebracht. Aber etwas komfortabler wird es wohl mit kürzeren und feineren Nadeln. So ein bisschen tricky wurde es für mich beim Aufnähen des Bügelbandes.  Es ist etwas sperrig, soll beim Nähen gedehnt werden und auch noch genau auf der darunterliegenden Naht aufgesteppt werden. Das dann in Rundung. Also da hab ich dann ein wenig Puste gebraucht und gaaaanz langsam genäht.

Gummiband gedehnt annähen kann ich ganz gut, aber dennoch werde ich das gestrige wieder abtrennen. Es ist ja quasi jeder Zickzackstich am BH später sichtbar.  Das dann auf meist etwas glänzendem Material aufgenäht fällt schon auf und verzeiht ja optisch keine Fehler. Wer da geübt ist, der ist klar im Vorteil :)



Durch die unterschiedlichen Materialien wie Spitze elastisch oder unelastisch, flutschige Stoffe, Powernet ( eine Art Gittertüll)  und die verschiedenen Bänder und Gummis ist die gesamte Näharbeit ein wenig tricky und für mich etwas ungewohnt. Wer nicht grundsätzlich schlechte Laune vom wieder auftrennen bekommt, der hat insgesamt mehr Spass am Nähen.

Ich persönlich arbeite übrigens gänzlich ohne Nahttrenner. Ich trenne seit jeher effektiv und materialschonend durch wechselseitiges, schnelles „Fadenreissen“.  Es geht tatsächlich bei der Näharbeit gelegentlich um 2mm mehr oder weniger und wenn man sich dann den BH ansieht und feststellt, dass er „schielt“ oder ein Cup etwas anders als der andere aussieht, dann wird eben wieder aufgetrennt. Letztendlich ist ein BH in der Regel ein absolut symmetrisch aufgebautes Kleidungsstück, das so bequem wie nur möglich „etwas leisten“ soll/muss- also bei mir. Druckstellen, kleine Hubbel oder Unregelmässigkeiten möchte ich nicht den ganzen Tag auf der Haut spüren, ich habe mich dann echt hingesetzt und aufgetrennt. 


Ich persönlich traue mir nicht zu, den ersten BH ohne Anleitung anzufertigen. Bei nahezu jedem beschriebenen Nähschritt hatte ich Fragen oder wusste nicht, wie ich das umsetzen soll. Ganz ganz viel spannendes, nähtechnisches Neuland mit einer wirklich sehr angenehmen, versierten Kursleiterin. Da war ich echt froh, das mir nicht alleine zugetraut zugemutet zu haben- aber ich bin im Bekleidungsnähen ja auch bei Weitem noch nicht fachlich versiert.  Vielleicht sind andere Näherinnen da ja ganz flott unterwegs. 


Einen kleinen Fauxpas habe ich mir geleistet, der mir auch erst gegen Abend auffiel und mich dazu brachte die Abfalleimer im Kursraum zu durchwühlen:  mein allererstes Probenähen morgens mit dem BH-Material habe ich mit Zuschnittresten  ausprobiert. Dabei ist mir das aufwendigste Zuschnitteil –auch noch aus Spitze- dazwischengeraten und ich habe es versehentlich mit vernäht und weggeschmissen. Ich fand es wieder, trennte es von den Probestoffetzen ab und sah, dass ich es nebenbei auch noch zerschnitten hatte.


Einen passenden Spitzenrest hatte ich nicht mehr, den schönen Stoff konnte ich im Laden nicht mehr nachkaufen weil nicht mehr erhältlich.  Fast hätte ich mir ein identisches Nähset nachgekauft für etwa 40Euro- nur um ein Stück Spitze daraus zuzuschneiden, aber zusammen mit der Kursleiterin habe ich das verhuddelte Fitzelchen wieder zusammenflicken können. Ich hatte nämlich Glück:  das Stück Spitze sitzt genau unter einem Cup und wird später fast vollständig von Gummi umfasst. Außerdem wird es mit Gittertüll unterlegt- so habe ich die zerschnittenen Teile nahezu unsichtbar mit einem Zickzackstich verbinden und retten können. Glück gehabt! Also passt immer gut auf Eure Zuschnitte auf :) !

Ich habe den BH noch nicht fertiggenäht und werde sehen, ob ich das allein schaffe oder noch einmal einen Kurs besuche. Darüber kann ich  gerne berichten! Wenn ich gewusst hätte, dass ich eien BH nicht komplett an einem Kurstag fertigstellen kann, dann hätte ich einen 2-Tagesurs Samstag/Sonntag gebucht.



Einen allerletzten Tip habe ich:  cremt Eure Hände gut ein, vorher. Ich bin ja oft auch gröber handwerklich unterwegs und habe keine ausgesprochen weiche Haut an den Händen. Es blieb mir oft die Spitze an den rauen Fingern hängen. Nichts schlimmes, nur lästig aber ich habe mir gestern mehr als einmal meine gute Handcreme im Nähzubehör herbeigewünscht.



Wer sich für einen Kostenüberschlag interessiert bekommt hier mal mein persönliches Beispiel:

Ich kaufe gute MarkenBHs, die in der Regel um die 70 oder 80 Euro kosten.

Der Tageskurs kostete mich 60 Euro, das Nähset habe ich mit dem Schnitt für rund 40 Euro bekommen. Da drin ist allerdings deutlich mehr, als man für das Nähen eines BHs benötigt. Es beinhaltet ausreichend Spitze und Gummiband, sowie verschiedene Stoffe um sich den BH in eigener Gestaltung anzufertigen  plus soviel Material, dass mindestens 1 Höschen noch dabei rausspringt.  Bei einschlägigen Marken zahle ich für BH plus passendem Höschen gut über 100 Euro.

Kurs und Nähset kosten also zusammen um die 100 Euro und so profitiere ich schon beim zweiten Stoffeinlauf vom Selbernähen.  Wer sich kein fertiges Nähset kaufen möchte, der kommt vermutlich nochmal nen Tacken billiger weg und stellt sich sein komplettes Material genau passend in der Menge zusammen. 

Wie auch immer:  SEWY ist für mich ein Glücksfall und ich kann mir gut vorstellen, meine Dessous zukünftig komplett selbst anzufertigen. Sehr zur Freude auch meines Mannes ;) .














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